Eine neue YinYoga-Stunde

Foto von Nena

Bevor ich etwas über die Erstellung einer neuen Stunde schreibe, möchte ich kurz sagen, dass es in Ordnung ist, eine vorhandene Stunde zu benutzen. Im Gegenteil finde ich, dass meine Stunden dadurch besser werden, da ich jedes Jahr wieder eine Möglichkeit habe, sie zu optimieren.

Wenn ich eine neue Stunde brauche, dann fange ich bei YinYoga in der Regel mit einem Thema an. Als Thema eignen sich viele Möglichkeiten, mir fallen zum Beispiel ein:

  • Jahreszeit
  • Körperliche Probleme
  • Emotionen
  • Körperbereich

Da ich meine Stunden aktuell nach dem Jahreskreis der Kelten ausrichte, verwende ich das als Beispiel. Ich tippe also das Datum im yogafox ein, an dem ich die Stunde halten möchte. Ich bekomme dann gleich drei Informationen, an denen ich meine Stunde ausrichten kann:

Die Mondphase

Die Mondphase verwende ich dafür, wie anstrengend ich meine Stunde mache. Tatsächlich finde ich die Information in Hatha-Stunden wichtiger, da YinYoga-Stunden sowieso eher weniger anstrengend sind. Trotzdem gibt es im YinYoga auch anstrengendere Haltungen wie den liegenden Held oder, wenn man die Verbindung von der Mondhase zum weiblichen Zyklus zieht, auch Umkehrhaltungen, die man bei Dunkelmond eher meiden kann. Ich baue in Dunkelmond-Stunden gerne mehr Mantras oder Atemübungen ein und gehe mehr auf den Körper ein, da er zu dieser Zeit empfindlicher ist.

Die Sonnenenergie

Die Sonnenenergie bestimmt für mich das Thema der Stunde. Zur Wintersonnenwende feiere ich die Dunkelheit sowie die Wiedergeburt des Lichtes. An Samhain geht es um das merklich geringere Sonnenlicht, den Abschied. An Mabon zur Herbst Tagundnachtgleiche um das Feiern der Fülle und gleichzeitig das Loslassen derselben.

Ich biete meine YinYoga-Stunden auch nur Abends an, da ich finde, dass sie eher zum Abschluss eines Tages geeignet sind.

An Litha, der Sommersonnenwende, habe ich noch keine Stunde angeboten, aber da könnte ich mir vorstellen die Teilnehmenden mit YinYoga in einen ruhigen Zustand zu bringen und dann kräftig die Trommeln zu spielen. Als Gegensatz und als Fest des Lebens.

Die TCM-Jahreszeit

Ich verwende die TCM-Jahreszeit, um das Meridianpaar zu bestimmen, das ich für die Stunde verwende. Aus dem Meridianpaar ergeben sich dann die Haltungen, aus denen ich die Stunde zusammenbaue. Im yogafox werden die Haltungen dann gleich vorgefiltert.

Die Stunde erstellen

Ich habe also einen Plan, um was es gehen soll und welche Haltungen in Frage kommen. Ich klicke mir dann zuerst ein paar Anfangs-Haltungen zusammen, wie die liegende Banane oder die Sphinx. Im yogafox gibt es dazu einen eigenen Filter. Mir geht es dabei darum, die Wirbelsäule mal ein bisschen zu bewegen und den Teilnehmenden noch die Kontrolle über die Intensität zu geben. Ich meine damit, dass die Sphinx eine Rückbeuge ist und die Regenbogenbrücke auch. Die Intensität der Regenbogenbrücke lässt sich aber kaum steuern im Vergleich zu Sphinx, bei der man mit den Ellbogen variieren kann.

Dann suche ich mir ein oder zwei Hauptasanas, auf die ich hinarbeite und die gut zu meinem Thema passen. Geht es ums Loslassen, dann sind Rückbeugen geeignet. Meine Hauptasana könnte also der liegende Held sein. Beim liegenden Held werden die Knie ziemlich belastet und es ist auch eine starke Rückbeuge für die Lendenwirbelsäule. Entsprechend bereite ich beides vor, indem ich für die Rückbeuge mit der Sphinx anfange und dann noch die Regenbogenbrücke machen lasse und vielleicht noch eine dritte Rückbeuge.

Für die Knie kann ich die Teilnehmenden zum Beispiel zwischen den Haltungen schonmal den sitzenden Held machen lassen, oder den Ballensitz. Nochmal, in diesen beiden Haltungen kann man die Intensität steuern (zum Beispiel, indem man auf einem Kissen sitzt). Im liegenden Held ist eine Steuerung kaum möglich, man kann effektiv nur das ganze Bein ausstrecken.

Feinschliff

Habe ich die Haltungen und einen groben Plan, dann gehe ich auf die Matte und versuche die Stunde zu machen. Dabei optimiere ich die Reihenfolge der Haltungen, so dass sie möglichst organisch ineinander fließen. Also zum Beispiel baue ich nach dem Reh keinen Rebound in Rückenlage ein, sondern lasse die Teilnehmenden etwa nur im Sitzen die Beine anziehen, wenn es danach mit der Schildkröte weitergeht. In der Regel wechsle ich auch nicht zwischen Vor- und Rückbeugen ab, wie es zum Beispiel beim Sonnengruß passiert, sondern gruppiere sie und neutralisiere dann mit einer Wirbelsäulendrehung wie der liegenden Katze. Den Rebound nutze ich dann gerne "auf halben Weg" zwischen den Haltungen, um Ruhe reinzubringen.